Warum du plötzlich so schnell wütend wirst und dich selbst kaum wiedererkennst.
- Nadia Untersander

- vor 4 Stunden
- 5 Min. Lesezeit

Da liegt sie wieder, diese eine Socke auf dem Boden.
Eigentlich nichts Grosses. Kein Drama und ganz sicher kein Weltuntergang. Trotzdem merkst du, wie in dir etwas hochschiesst, das viel grösser ist als diese Socke. Du bist genervt, dann wütend und während ein Teil von dir schon mitten in der Reaktion steckt, denkt ein anderer irritiert: «Warum trifft mich das gerade so heftig? Es ist doch nur eine Socke.»
Genau dieser Moment verunsichert viele Frauen in der Perimenopause. Vielleicht sogar mehr als die Wut selbst. Dieses kurze Gefühl, sich plötzlich kaum wiederzuerkennen. Früher hättest du die Socke vielleicht aufgehoben, die Augen verdreht und weitergemacht. Heute reicht genau diese Kleinigkeit und du merkst: «Ich kann gerade nicht auch noch das.»
Dann kommt ziemlich schnell die Frage hinterher: «Was ist eigentlich mit mir los?»
Wenn die Socke gar nicht das eigentliche Problem ist
Wut kommt selten völlig aus dem Nichts. Meistens war vorher schon einiges los, nur fällt uns das in diesem einen Moment nicht mehr auf.
Vielleicht hast du schlecht geschlafen und bist schon müde aufgestanden. Beim Frühstück denkst du daran, was heute alles ansteht. Auf dem Weg zur Arbeit fällt dir ein, dass du noch einen Termin vereinbaren musst. Im Büro kommt eine Aufgabe dazu, obwohl dein Tag längst voll ist. Eine Kollegin fragt: «Kannst du schnell noch …?» und du sagst Ja, obwohl in dir eigentlich längst ein Nein sitzt.
Mittags isst du nebenbei. Später denkst du daran, was am Abend noch erledigt werden muss, wer wann wohin muss und was eigentlich noch im Kühlschrank fehlt. Nebenbei beantwortest du Nachrichten und versuchst, den Faden bei allem nicht zu verlieren.
Dann kommst du nach Hause.
Und da liegt die Socke.
Plötzlich steht sie für viel mehr als ein herumliegendes Kleidungsstück. Vielleicht schiesst dir durch den Kopf: «Warum sieht das eigentlich niemand ausser mir?» Oder: «Muss ich wirklich an alles denken?» Vielleicht ist es auch einfach nur dieses eine ehrliche Gefühl: «Es ist mir gerade zu viel.»
Die Socke hat diesen Zustand nicht verursacht. Sie hat ihn sichtbar gemacht.
Was die Perimenopause damit zu tun haben kann
In der Perimenopause verändert sich oft schon einiges, bevor wir überhaupt einordnen können, was da gerade passiert. Der Zyklus verändert sich vielleicht, der Schlaf wird unruhiger, die Konzentration lässt schneller nach und an manchen Tagen fühlt sich alles ein bisschen näher an als früher.
Auch Hormonschwankungen können beeinflussen, wie wir schlafen, wie wir Stress verarbeiten und wie stabil sich unsere Stimmung anfühlt. Wenn du ohnehin schon viel trägst, kann das bedeuten, dass zwischen einem Reiz und deiner Reaktion weniger Raum liegt.
Dann reicht manchmal ein Tonfall, der dich sonst nicht gestört hätte. Eine Nachricht, die im falschen Moment kommt. Jemand, der noch etwas von dir braucht. Oder eben eine Socke auf dem Boden.
Das bedeutet nicht, dass plötzlich jede Gereiztheit mit Hormonen erklärt werden muss. Dein Alltag verschwindet schliesslich nicht, nur weil du in der Perimenopause bist. Arbeit, Familie, Beziehungen, Erwartungen, alte Muster und die vielen Dinge, die du täglich im Kopf mitträgst, bleiben Teil der Geschichte.
Nur kann es sein, dass dein Körper dir inzwischen deutlicher zeigt, wenn diese Geschichte zu voll wird.
Wenn du dich nachher über dich selbst erschrickst
Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder Frauen, die gar nicht zuerst über ihre Wut sprechen. Viel belastender ist für sie oft das, was danach kommt.
Vielleicht war dein Ton schärfer, als du wolltest. Vielleicht hast du etwas gesagt und wenige Minuten später gedacht: «So wollte ich eigentlich gar nicht reagieren.» Und kaum ist die Situation vorbei, beginnt im Kopf die nächste Runde.
«Warum habe ich mich nicht besser im Griff?»
«Was stimmt denn nicht mit mir?»
«Ich war doch früher nicht so.»
Genau dort kann aus einem kurzen Moment ein stundenlanges Grübeln werden. Die Socke ist längst aufgehoben, aber innerlich beschäftigst du dich immer noch mit deiner Reaktion.
Dabei lohnt es sich manchmal, den Blick etwas weiter zu machen. Wie war deine Nacht? Wie voll war dein Tag? Hast du irgendwo wieder Ja gesagt, obwohl du eigentlich schon müde warst? Gab es überhaupt einen Moment, in dem niemand etwas von dir wollte? Hast du gegessen, Pause gemacht, einmal wirklich durchgeatmet?
Oft verändert sich der Blick auf die Situation schon, wenn wir die Stunde davor nicht vergessen.
Aus «Ich bin wegen einer Socke ausgerastet» wird dann vielleicht: «Da war heute schon ziemlich viel, bevor diese Socke noch obendrauf kam.»
Das fühlt sich anders an.
Warum Wissen allein manchmal nicht reicht
Natürlich wissen wir meistens ziemlich genau, wie wir gerne reagieren würden. Ruhiger. Gelassener. Vielleicht mit einem tiefen Atemzug und einem vernünftigen Satz.
Wir sagen uns: «Beim nächsten Mal rege ich mich nicht so auf.»
Und trotzdem passiert es wieder.
Das liegt auch daran, dass unsere Reaktionen nicht jedes Mal neu und bewusst entschieden werden. Vieles läuft über Erfahrungen, Gewohnheiten, innere Überzeugungen und Muster, die unser Nervensystem längst kennt.
Vielleicht trägst du schon seit Jahren den Anspruch in dir, alles im Griff haben zu müssen. Vielleicht fällt es dir schwer, Nein zu sagen. Vielleicht merkst du erst sehr spät, dass du längst über deine Grenze gegangen bist. Und vielleicht hat dein System gelernt, sehr lange durchzuhalten, bis irgendwann etwas Kleines reicht.
Genau hier finde ich Hypnose so spannend.
Wenn eine Frau sagt: «Ich weiss ja, dass meine Reaktion zu stark ist, aber in diesem Moment komme ich da einfach nicht raus», dann interessiert mich weniger, wie sie sich noch besser zusammenreissen könnte. Viel spannender ist die Frage, was in diesem Moment im Hintergrund abläuft.
Was wird gerade berührt?
Warum fühlt sich diese Situation so gross an?
Welche Erwartung an dich selbst läuft mit?
Was hast du vielleicht über Jahre gelernt, ohne es bewusst entschieden zu haben?
In der Hypnose können solche automatischen Zusammenhänge greifbarer werden. Und manchmal versteht eine Frau dadurch zum ersten Mal, weshalb sie in bestimmten Situationen immer wieder ähnlich reagiert, obwohl sie sich längst vorgenommen hat, es anders zu machen.
Vielleicht ist deine Wut auch eine Information
Es wäre natürlich praktisch, wenn wir jede Reaktion sauber analysieren könnten, bevor sie passiert. Der Alltag ist da meistens weniger kooperativ.
Manchmal nervt eine Socke einfach.
Und manchmal darf man auch ganz normal sagen: «Kannst du deine Sachen bitte wegräumen?»
Spannend wird es dort, wo du merkst, dass deine Reaktion eigentlich viel grösser ist als die Situation. Vielleicht lohnt es sich dann, nicht sofort über dich selbst zu urteilen, sondern einen Moment zurückzuschauen.
«Was war heute schon alles los?»
«Wo bin ich über mich hinweggegangen?»
«Was brauche ich gerade eigentlich?»
Solche Fragen lösen nicht jedes Problem innerhalb von dreissig Sekunden. Sie können aber verändern, wie du mit dir selbst umgehst.
Gerade die Perimenopause bringt viele Frauen an einen Punkt, an dem die bisherigen Strategien nicht mehr so zuverlässig funktionieren wie früher. Das kann unglaublich nerven. Gleichzeitig wird dadurch manches sichtbar, das lange einfach mitgelaufen ist.
Vielleicht ist die Socke deshalb manchmal tatsächlich nur eine Socke.
Und manchmal zeigt sie dir ziemlich deutlich, dass du selbst schon lange irgendwo auf dem Boden liegst und darauf wartest, endlich beachtet zu werden.
Wenn du dich in solchen Situationen wiedererkennst und merkst, dass Gereiztheit oder wiederkehrende Reaktionsmuster dich immer wieder beschäftigen, melde dich gerne bei mir. In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, was hinter deinen Reaktionen steckt und wie ich dich sinnvoll dabei unterstützen kann, wieder mehr Ruhe und Verständnis in dein eigenes Erleben zu bringen.

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